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Über uns und über die Alzheimer-Krankheit

 

Über uns

Im Jahr 1998 als eingetragener und gemeinnützig anerkannter Verein gegründet, setzen wir von der Alzheimer Gesellschaft Landkreis Ebersberg e.V. uns für die Belange von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein. Wir tun dies, indem wir zum Beispiel: die Öffentlichkeit mit Pressemitteilungen, Vorträgen oder Infoständen für das Thema Demenz sensibilisieren, Projekte anstoßen oder uns an ihnen beteiligen oder Kontakte mit renommierten Wissenschaftlern pflegen.

Diese Punkte liegen uns besonders am Herzen, für sie setzen wir uns ein:

- Altern in Würde im Landkreis Ebersberg - auch für Mitmenschen mit fortgeschrittener Demenz
- Palliativmedizinisches Angebot für Menschen mit fortgeschrittener Demenz
- Eine bessere gesellschaftliche Unterstützung von pflegenden Angehörigen – diese nützt auch den Demenz-Betroffenen
- Wir fordern eine bessere gesellschaftliche Anerkennung und bessere Bezahlung der ambulant und stationär in der Pflege Tätigen (das nützt eben auch den Betroffenen)
- Die Vorbeugung der Demenz muss möglichst früh beginnen und spätestens im mittleren Lebensalter intensiviert werden (Beispiel: INVADE, das wissenschaftlich begleitete, erfolgreiche Interventionsprojekt zerebrovaskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg. Sein Ziel ist die Reduzierung der Erkrankungshäufigkeit von Schlaganfall und Demenz  und der sich daraus ergebenden Fälle von Pflege- und Hilfsbedürftigkeit.).

Möchten Sie uns bei der Umsetzung dieser Ziele unterstützen? Oder haben Sie Fragen, Wünsche, Anregungen? Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf Sie! Natürlich auch, wenn Sie bei uns mitmachen und unseren Einsatz - vielleicht mit neuen Ideen - bereichern möchten. 

 

 

Über die Alzheimer-Krankheit

 

Historie

Bereits Schriften aus der Antike belegen eine Abnahme der Gedächtnisleistung und Verstandeskraft ohne erkennbare Ursache bei hochbetagten Menschen.

Der französiche Arzt Pinel prägt 1797 dafür den Begriff "Demenz": 
de = ohne, mens = Verstand.

Im Jahr 1854 benennt Rudolf Virchow  die Plaques im Gehirngewebe Amyloid (Stärkeähnliches), da sich diese Eiweißablagerungen wie Stärke einfärben lassen.

Der Chemiker Kekul, Entdecker des Benzolringes, erkennt, daß es sich bei dem Amyloid um eine eiweißhaltige Substanz handelt (1859).

Um 1900 wird als Ursache für senile Demenz normale Hirnalterung, die mit einer Schrumpfung des Gehirns und klümpchenförmigen Gebilden im Gehirn (senilen Plaques) einhergeht, angenommen.

 

Der Namensgeber

1906 glaubte der Nervenarzt Alois Alzheimer zunächst eine neue Krankheit entdeckt zu haben, als er die selben Verfallserscheinungen jedoch in ungewöhnlich starker Ausprägung und sehr raschem Fortschreiten bei einer 51 Jahre alten Patientin beobachtete. Bei der Obduktion der im Alter von 56 Jahren Verstorbenen, entdeckte er neben unzähligen Plaques auch noch Veränderungen, die bislang noch nie beschrieben worden waren:  
   - hoher Verlust von Nervenzellen  
   - Neurofibrillenbündel innerhalb vieler überlebender Zellen. 
Sein Vortrag "Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde" fand  bei den Kollegen kein Interesse. Weder gab es eine Diskussion, noch eine Kritik. Die Entdeckung passte nicht in das damalige psychologische Weltbild, denn "Schwachsinn war eine Folge unzüchtigen Lebenswandels".

1911: Alzheimer führte seine Forschung fort und stellte gleichartige Gewebsveränderungen des Gehirns auch bei Fällen von seniler Demenz 
fest. Er kam zu der Überzeugung, daß die senile Demenz eine später einsetzende und langsamer verlaufende Variante der von ihm 1906 beschriebenen Krankheit ist. 
Diese Auffassung hat bis heute zu der unzutreffenden Unterscheidung von seniler und präseniler Demenz geführt. (a1)

 

Die moderne Forschung

Etwa 1980 beginnen Wissenschaftler mit der intensiven, mikrobiologischen Erforschung der Alzheimer-Krankheit.

1985 wird die erste Alzheimer-Sprechstunde an der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München gegründet, aus der ein Jahr später die erste Alzheimer-Gesellschaft hervorgeht.

1986 weist Prof. Beyreuther die Herkunft des Amyliod-Proteins als ein Bruchstück eines Rezeptormoleküls der Zellmembran nach, das sich im Zellinnern ablagert, falls die Zellmembran "ranzig" wird (oxydiert). Diese Entdeckung markiert den Weg einer molekular orientierten Alzheimer-Forschung.

 

Genforschung und Medizin

Zwar sind die meisten Mittel in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in die Krebs- und AIDS-Forschung geflossen. Aber die Erkenntnis der Molekular- und Genforschung kommen natürlich auch der Alzheimerforschung zu gute. Auch wenn sich viele wünschten, die Mittel für die Alzheimerforschung wären auch nur annähernd in ähnlicher Höhe. 
So sind Gene identifiziert worden, von denen man sicher ist, dass sie mit der früheinsetzenden Variante der Alzheimer-Krankheit zu tun haben und auch die chemischen Vorgänge werden nach und nach entschlüsselt (Link 1).

Auf Letzterem basieren die Medikamente Aricept und Exelon, die es den Kranken ermöglichen, die weniger werdenden Nervenzellen besser zu nutzen. Es wird der Abbau bestimmter Botenstoffe wie dem Acetylcholin, die in verminderter Menge im Gehirn vorhanden sind, hinausgezögert (Link 2).

 

Aktuell

1998 wurden Forschungsergebnisse publiziert, die im Bereich der Diagnose zu sicheren Ergebnissen führen sollen. Bislang wird die Alzheimer-Krankheit durch eine Ausschlussdianagose festgestellt. Wenn alle bekannten organischen Erkrankungen, die zu nachlassenden Hirnleistungen führen, nicht zutreffen, dann ist es die Alzheimer-Krankheit. Es wird auch bereits ein erster Test (Fa. Nymox) angeboten, der allerdings sehr umstritten ist.

1999 stellte die irische Firma Elan Pharmaceuticals beim Welt-Alzheimer-Kongress den Impfstoff AN-1792 vor. Bei der Behandlung von transgenen Mäusen (Mäusen, denen mit Genmanipulation die Krankheit angezüchtet worden ist) mit AN-1792, wurden in den Mäusegehirnen die Plaques in den Nervenzellen aufgelöst. AN-1792 soll das Immunsystem zur Bildung von Beta-Amyloid-Antikörpern anregen, damit die körpereigene Immunabwehr die Plaques zu vernichtet.
Erste Versuche am Menschen hatten eine sehr gute Verträglichkeit und keine Nebenwirkungen gezeigt. Bei den folgenden Reihenversuche, die die Wirksamkeit nachweisen sollten, ist es hingegen in wenigen Fällen zu Nervenentzündungen gekommen, die Elan Pharmaceuticals zur Einstellung der Tests veranlasste.
Nach Meldung im Oktober 2002 sind die Ursachen hierfür in einer zu hohen Dosis bei fortgeschrittener Plaquebildung zu finden. Es sind neue Versuche mit geringerer Dosierung geplant. 
Bis zur Zulassung (vorausgesetzt, AN-1792 hält, was es verspricht) werden allerdings etwa sieben Jahre vergehen. Ausser, die amerikanische Zulassungbehörde FDA (Food and Drug Administration) oder die britische sorgen für eine schnellere Zulassung.

 

Die Situation

Die Anzahl der an der Alzheimer-Krankheit leidenden Menschen in Deutschland variiert je nach Quelle zwischen 600.000 und 1,2 Millionen. (a2) Die Alzheimer-Krankheit ist keine Seuche und darum nicht meldepflichtig, zur Diagnose siehe oben. Da nur etwa drei Prozent der Hinterbliebenen einer Obduktion zustimmen, sind exakte Zahlen nicht zu erhalten. Das Bundesgesundheitsministerium spricht von 700.000 Erkrankten für Deutschland, in den USA spricht man von 1,5 Millionen Alzheimer-Kranken und es werden für das Jahr 2020 etwa 4 Millionen  prognostiziert. Auch diese Zahlen sind Hochrechnungen und basieren nicht auf exakten, medizinischen Untersuchungen. 
Die übergroße Mehrzahl der Kranken wird zuhause von Angehörigen gepflegt, oft länger, als es zu ertragen ist. So fordert die Krankheit auch ihren Tribut von der Familie. Erst wenn es nicht mehr anders geht, wird ein Platz in einem Pflegeheim gesucht. Die negativen Schlagzeilen über untragbare Zustände in (hoffentlich) wenigen Heimen, motivieren nicht zu einem früheren Umzug. Und die finanziellen Probleme des Gesundheitssystems sind nicht förderlich. Vielen Alzheimer-Kranken wird eine Einstufung in der Pflegeversicherung verweigert. Leider oft zu Recht, da der Gesetzgeber diese nicht, oder nicht ausreichend, berücksichtigt hat. 
Unsere Gesellschaft ist auf diese Situation nicht ausreichend vorbereitet. Müssten 10 % der Zu-Hause-Gepflegten morgen ins Pflegeheime, wäre dies nicht machbar und käme einer Katastrophe gleich.

 

Hinweise:

(a1) Der Absatz Historie ist dem Text "Die Alzheimer-Krankheit in Stichworten und weiteren Links" von Rosemarie Drenhaus-Wagner entnommen.

(a2) "Die Zahl der Demenzkranken lässt sich nur innerhalb breiter Grenzen beziffern, da es keine Gesundheitsstatistik gibt, der entsprechende Daten entnommen werden können. Die vorliegenden Kenntnisse beruhen auf den Ergebnissen von epidemiologischen Feldstudien an Zufallsstichproben aus der Bevölkerung. Diese Studien beschränken sich in der Regel auf eng umschriebene geographische Räume und auf relativ kleine Stichproben von einigen hundert bis zu wenigen tausend Personen. Die Resultate aus Einzelstudien können nicht ohne weiteres verallgemeinert werden, da sie Zufallseinflüssen und regionalen Besonderheiten unterliegen können und nicht zuletzt von den Untersuchungsmethoden und den diagnostischen Kriterien geprägt sind."

"Zusammenfassend ergibt sich daraus, dass die Gesamtzahl der Demenzkranken in der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung vorstehend genannter Vorbehalte zwischen 720 000 und 850 000 liegen dürfte, wenn man nur die mittelschweren und schweren Stadien betrachtet. Wenn man auch die leichten Stadien einbezieht, beträgt die Gesamtzahl etwa 1,2 Millionen. 
Allerdings können auch weit höhere Schätzungen von bis zu 1,5 Millionen (inklusive leichte Demenzen) nicht mit letzter Sicherheit zurückgewiesen werden."

"Bei der Demenz als globale, erworbene Beeinträchtigung der höheren kortikalen Funktionen wie Gedächtnis, Intelligenz und Persönlichkeit handelt es sich um eine Erkrankung mit nachweisbar schweren neurobiologischen Veränderungen im Gehirn, nicht um einen regulären, lediglich altersbedingten Abbauprozess. Der Zustand ist oft irreversibel und fortschreitend. Er mündet während eines fünf- bis zehnjährigen Verlaufs in Abhängigkeit und schwerste Pflegebedürftigkeit. Es gibt mindestens 60 verschiedene Demenzerkrankungen. Üblicherweise stellt man innerhalb der Gesamtheit der Demenzerkrankungen die primären degenerativen Demenzen den sekundären Formen gegenüber. Während letztere Folgeerscheinungen anderer Grunderkrankungen und somit auch besser zu behandeln oder sogar heilbar sind, ist eine ursächliche Therapie der primären degenerativen Demenzen noch nicht möglich. Ihr Anteil an den Gesamterkrankungen liegt jedoch bei 90%. Neben der Demenz vom Alzheimer-Typ, die nach klinischen, neuropathologischen und epidemiologischen Studien mit 50% bis 60% überwiegt, folgen mit etwa 15% bis 20% Demenzen, die durch Gefäßerkrankungen bedingt sind (vaskulärer Typ) und mit etwa 15% der gemischt vaskulär-degenerative Typ. 
Zur erstgenannten Gruppe gehören neben der Alzheimer-Erkrankung selbst noch eine Reihe anderer, spezieller Demenzformen (die Demenz mit argyrophilen Körnchen und die Demenz mit Lewy-Körperchen), deren Vorkommen auf etwa 20 % der zur Autopsie kommenden Fälle mit seniler Demenz geschätzt wird. Zu den gefäßbedingten Formen zählen die Multi-Infarkt-Demenz sowie die Demenz bei subkortikaler mikroangiopathisch-arteriosklerotischer Encephalopathie (Morbus Binswanger). Mit 5% bis 15% werden sekundäre Demenzformen angetroffen, die auf eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen zurückgehen und unter denen quantitativ vor allem die Parkinsondemenz und Alkoholdemenzen von Bedeutung sind."

"Die Bundesregierung verfügt über keine statistischen Angaben, die verläßlich Auskunft über Aufenthalts- und Wohnort von Demenzkranken geben könnten. Es sind lediglich Schätzungen innerhalb bestimmter Grenzwerte auf der Basis von Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen möglich."

Diese Zitate stammen aus der Antwort der Bundesregierung vom 10. Juni 1996 auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion. MdB Frau Schmidt-Zadel stellt den Text als ZIP-Archiv zum Download online. . Erschreckend ist, dass im Ministerium die Fakten auf dem Tisch liegen, gesetzgeberisch hingegen viel zu wenig passiert.

Links: 
1. Molekularbiologie von Frau Dr. Urmoneit im Alzheimerforum 
2. Pharmazie im Alzheimerforum